Invitatio zur Disputatio

Über den Ursprung des guten Geschmacks

Wie eifrig werden Sie sich bemühen aus dem geschliffenen Rundstein die beschriebene Szene ausfindig zu machen oder gar eine Pastorelle herauszuschauen. Wie schnell wird ein Eimer mit Wasser – bis zum Rand gefüllt - zur Wäscherin , wenn ein passender Kommentar seinen Dienst tut. Warum fragen Sie sich? Was das soll? Weil ein geschliffener Stein keiner aus der Gletschermühle sein kann; weil ein einfacher Eimer Wasser kein einfacher Eimer Wasser sein darf? Weil der Betrachter eben den falschen Geschmack hat und der Kenner jeder einzelne einen zu diskutierenden?

Sehen Sie worauf wir hinaus wollen?

Noch einmal: Der große Seneca ist sich in einer seiner epistulae, wo er den antiken Zuschauer von Gladiatorenspielen zu kritischem Denken anregen will, schon zu seiner Zeit sicher, was am meisten zu meiden ist: „turbam“ (die wirre Masse); und er weiß genau, was zu tun ist: „Recede in te ipsum quantum potes“. Also: „Weiche in dich selbst zurück, soweit du kannst!“, lautet seine Lösung.

Wenn Sie sich also schon einmal die Frage nach dem rechten Geschmack und der Kunst des Betrachtens stellen: Hier werden Sie eingeladen der Ursprung Ihres eigenen Geschmackes zu sein!

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